Anna selbdritt

Im Seitenschiff unter der Orgelempore hängt das Halbrelief Anna selbdritt des Berliner Bildhauers Paul Brandenburg, 1981 von der Katholischen Frauengemeinschaft St. Petronilla gemeinsam mit der Evangelischen Frauenhilfe der benachbarten Zionsgemeinde gestiftet.

Anna selbdritt bezeichnet eine Darstellung der heiligen Anna mit ihrer Tochter Maria und dem Jesuskind. Selbdritt ist kein Name, sondern ein veralteter Ausdruck für zu dritt. Über die Mutter Marias findet man im Neuen Testament nichts; allerdings berichtet das Protoevangelium des Jakobus – eine Schrift, die in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten besonders in Syrien und bei den koptischen Christen verbreitet war – ausführlicher über Anna und Joachim, die Eltern Marias.

Der Bildtypus Anna selbdritt beschäftigte vor allem im 15. und 16. Jahrhundert viele Künstler, heute wenden sie sich ihm eher zögerlich zu, obwohl er reiche Symbolik in sich trägt, die auch den heutigen Betrachter anzusprechen vermag: Als reife Frau mit der jugendlichen Maria und dem Jesuskind verkörpert Anna den Kreislauf der Natur, der sich durch Generationen hindurch immer wieder erneuert. Anna selbdritt ist Sinnbild für Entwicklung, Beständigkeit und Weitergabe des Lebens. Die drei Personen umfassen den gesamten Lebenszyklus vom Gewesenen über das Jetzige zum Kommenden.

Schauen wir auf das Relief Brandenburgs:
Die scharfkantig herausgearbeiteten Personen bilden eine Einheit. Mutter Anna schaut auf ihre Tochter und deren Sohn herab. Maria hat die Augen geschlossen. Die beiden Frauen ruhen ganz in sich. Das drücken auch die Stellung der Arme und die Faltenwürfe der Kleidung aus: behütend, bergend, haltend, ein in sich geschlossenes Stück Leben. Die Köpfe sind einander zugewandt.
Das Kind bildet in jeder Hinsicht die Mitte, sowohl des Bildes als auch der Frauen. Es wird getragen, von beiden Frauen gehalten. Während die beiden Frauen eher in sich versunken wirken, schaut es den Betrachter gerade und offen mit einem leichten Lächeln an, Arme und Hände weit ausgebreitet. Wenn ein kleines Kind seine Arme so öffnet, bringt es seinem Gegenüber ein Urvertrauen entgegen, das nur kleine Kinder haben können.

Aber – der Künstler will offenbar nicht nur liebende Zuwendung darstellen:
Das Kind tritt aus der geschlossenen Einheit heraus; die waagerecht ausgestreckten Arme, der ganz senkrecht gestreckte Körper deuten Kreuzesform
an, dieses Kind wird die Welt erlösen.

Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn. Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.

- Spr 31, 10-12 -