Tabellarische Übersicht zur Baugeschichte

Um 1030
Stiftung einer kleinen Holzkirche durch Gräfin Richmodis aus dem Stamm der Franken; zur Dompfarrei Münster gehörig; Kirche solle der Hl. Petronilla geweiht werden, die als Stammespatronin des Grafengeschlechtes verehrt wird.

1282
Urkundlich nachweisbar Pfarrei St. Petronilla einschl. der Bauernschaft Kasewinkel (vorher zu Telgte gehörig); Erhebung zur selbstständigen Pfarre möglicherweise schon früher. Pfarrsprengel umfasst nur Gebiete östlich der Werse

Um 1300
Die kleine Holzkirche wird durch ein Gebäude ersetzt, das zumindest mit einem steinernen Fundament versehen ist.

1700
Fertigstellung eines Kirchenneubaus aus Baumberger Sandstein (die alte Kirche ist bis auf Turm und Chor abgebrochen worden)

1864/65
Neubau des Kirchturm im gotisierenden Stil

1913
Erweiterung der Kirche um ein Querschiff, einen neuen Chor und eine Sakristei (die Gemeinde ist auf mehr als 860 Seelen angewachsen)

1942
Abriss des Kirchturms auf Befehl des Luftgaukommandos bis auf Höhe des Dachfirstes, weil dieser ein Hindernis für den Anflug auf den Militärflugplatz in Dorbaum darstellt.

1952
Renovierung des Kircheninneren

1967
Neugestaltung des Chorraums nach der Liturgiereform

1976/77
Grundlegende Erneuerung und Erweiterung der Kirche: Ausbau des nördlichen Querschiffes mit Orgelempore, Ersetzen der alten Empore im rückwärtigen Teil des Langhauses mit Schaffung von 44 Sitzplätzen; Wiedererrichtung des Turmes; Schaffung eines Beichtraums und - als Ergänzung der kleinen alten Sakristei – eines Abstellraumes; Vorziehen der Chorinsel; Einweihung durch Bischof Heinrich Tenhumberg am 20.03.1977

1996
Anbau eines Beicht- und Gesprächsraums an nördl. Querschiff

2008
Innenrenovierung udn Anstrich der Kirche

Die Kirche und ihr Turm

Wie aus der vorstehenden tabellarischen Übersicht zu entnehmen, hat auch die Handorfer Kirche eine sehr wechselvolle, nunmehr fast 1000-jährige Geschichte.

Bis 1700 war es wohl eine Holzkirche mit steinernem Fundament – letzteres mindestens ab etwa 1300. Schon von dieser Zeit ab muss aber die Eingangstür einen steinernen Rahmen gehabt haben, wie die beiden Tür-Blattkapitelle, die nach dem letzten Umbau an der Tür der Sakristei wieder verwendet worden sind, beweisen.

Das Langhaus hat seine Ausmaße und seine bauliche Gestalt seit 1700. Das ist u.a. aus der Inschrift an der Decke unter dem bischöflichen Wappen zu entnehmen. Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg hat die Kirche nach ihrer Fertigstellung in dem Jahr geweiht.

Zwei Querschiffe sind 1913 angebaut, das linke dann 1976 für die Orgelempore verlängert worden. Bei dieser Renovierungs- und Baumaßnahme wurde auch der Chor vergrößert; es erhielt seine jetzige halbrunde Form.

Die Kirche enthält eine Reihe sehenswerter Kunstwerke aus neun Jahrhunderten (mit Schwerpunkten aus dem 16. und 19.J.), die nachstehend vorgestellt werden.

Der Kirchturm hat eine ebenso bewegte Geschichte wie die Kirche selbst. Wir wissen, dass 1864/65 ein Turm im gotisierenden Stil gebaut wurde, der 78 Jahre lang das Wahrzeichen Handorfs war, bis ihn die Nazis 1942 abrissen.

Die Kirche muss aber schon vorher einen Turm gehabt haben, weil die älteste der Kirchenglocken aus dem Jahre 1512 stammt. Auch die zweite Glocke ist älter als der Turmbau im neunzehnten Jahrhundert.

Die beiden älteren Glocken entgingen wie durch ein Wunder der Ablieferungspflicht in den beiden Weltkriegen, die dritte wurde für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Ersatz kam für sie 1976 mit der JohannesGlocke.

Im Zusammenhang mit dem Um- und Ausbau 1976 bekam die Kirche auch wieder einen Kirchturm und damit auch ihr Geläut wieder.