Von dem 240 x 170 cm großen Ölgemälde, das seit 1976 an der Ostwand im Chor hängt, wissen wir nur, dass es 1886 in den Besitz der Gemeinde gekommen ist. Wahrscheinlich ist es vor 1850 gemalt worden. Das Bild ist nicht signiert, der Künstler nicht bekannt.

Die Kreuzigungsgruppe (Maria, Jesus, Johannes und am Fuß des Kreuzbalkens Maria aus Magdala) ist vor einem düsteren Hintergrund gemalt: Unten eine karge, steinige Landschaft mit Sandboden und einigen wenigen kleinen Pflanzen, im zweiten Viertel vor welligen Anhöhen die Stadtsilhouette von Jerusalem – durch die Patina, die auf dem Bild liegt, kaum zu erkennen – und die obere Hälfte mit einem wolkenverhangenen dunklen Himmel.

Alle im Vordergrund dargestellten Personen sind mit einer goldenen Gloriole versehen.

Der alles überragende Gekreuzigte hängt im 3-Nagel-Typus am Kreuz, an seiner Haltung ist zu erkennen, dass das Leiden durchgestanden hat. Der Kopf mit dem langen roten Haar und dem Vollbart ist leicht zur Seite geneigt und ein wenig idealisiert, die Augen sind geschlossen, das Gesicht aber ohne jeden Schmerzausdruck. Der ganze Körper wirkt bis auf die blutigen Stellen an den Nägeln unversehrt.

Die drei Personen um Jesus herum zeigen unterschiedliche Reaktionen:
Maria in einem roten Unter- und einem blauen Obergewand ist zwar im Gesicht Trauer und Schmerz anzusehen, die Haltung ihrer Hände drückt aber Ergebenheit aus.
Johannes zur Rechten trägt ein braunes Unterkleid mit einem grünen, mit einer Goldborde versehenen und rot gefütterten Überwurf; er schaut vertrauensvoll gen Himmel und hat die Hände gefaltet.
Maria aus Magdala kniet hinter dem Steinhaufen, der das Kreuz stützt und umfasst mit ihrer Linken den Längsbalken. Sie ist mit einem ockerfarbenen Unterkleid bekleidet und trägt einen durch die Haltung bedingt unten ausladenden lilafarbenen Mantel. Das lange, leicht gewellte, bräunliche Haar fällt ungebunden herab. Ihr Blick ist fast verzweifelt nach oben auf den Gekreuzigten gerichtet, als könne sie das Geschehene nicht begreifen.

Die drei Personen unter dem Kreuz scheinen von der Darstellung her nicht ganz zu dem Gekreuzigten zu passen. Vielleicht ist das ursprüngliche Bild später übermalt worden.

Sein Schrei 'Mein Gott, warum hast du mich verlassen', ist ein unbegreifliches Wunder. Gott von Gott verlassen, ein gott-loser Gott: etwas Radikaleres ist nicht zu denken. Dass Gott also auch dieses Kapitel Menschsein an seinem eigenen Leib erfahren hat, dass er auch in diesen Abgrund menschlicher Verwirrung stieg – das im Letzten hat mir das Evangelium glaubwürdig gemacht! So etwas erfindet man nicht.

(Bernhard Langenstein)