Der Tabernakel

Der Name Tabernakel (lat.: tabernaculum = Hütte, Zelt) ist eine Erinnerung an das Offenbarungszelt Israels: in einem Zelt wurden die Gebotstafeln Mose aufbewahrt. Heute ist der Tabernakel Aufbewahrungsort für das eucharistische
Brot.

Entsprechend der Liturgiereform des zweiten vatikanischen Konzils war unser Tabernakel nach dem Umbau 1976 nach dem Konzept des Künstlers Paul Brandenburg zunächst auf einer von ihm geschaffenen Stele, die sich in Aussehen und Form Altar und Ambo anpasste, hinten im Scheitel des Chores aufgestellt. Das wurde bald als störend empfunden, weil sich an der Stirnwand des Chores mit Rundfenster, Kreuzigungsbild und eben Tabernakel drei ganz verschiedene Elemente „ballten“.
So entfernte man Anfang der 80er Jahre die Stele und schaffte an der linken Chorseite mit dem sandsteingerahmten Einlass einen gebührenden Platz für den Tabernakel.

Die Tabernakeltüren selbst sind ein goldüberzogener Bronzeguss von Paul Brandenburg. Auf ihnen wird eine Szene aus dem 1. Buch der Könige dargestellt, die ins 9. vorchristliche Jahrhundert zurückweist: Elija musste, um sein Leben zu retten, vor Ahab, dem König des Nordreiches, und seiner Frau Isebel fliehen – siehe auszugsweise Wiedergabe in der Einheitsübersetzung an der rechten Seite.

Brandenburg stellt die Szene dar, in der der Engel den Propheten das zweite Mal anrührt. Über Elija sind die Worte des Engels in lateinischer Sprache zitiert: „Surge comede grandis enim tibi restat via“, übersetzt: „Erhebe dich, iss, lang nämlich ist für dich der Weg, der vor dir liegt.“

Der Engel nimmt die ganze rechte Türhälfte ein: fast übergroß, die Flügel und die Aureole nur angedeutet, spricht er mit offenen Armen seine Botschaft Elija zu. Dieser, aus dem Schlaf hochfahrend, richtet sich mit der rechten Hand von seinem Lager auf und legt den Kopf von der Verkündigung aufgeschreckt zurück. Die Geste der linken Hand zeigt, dass er sich der Nachricht öffnen will.


Ein gelungenes Tabernakel-Bild, das uns hinweist auf das, was hinter seiner Tür aufbewahrt wird: das Brot für das Leben!

Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.
Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!
Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

1 Kön 19, 3-8