Der Taufstein

Das älteste Kunstwerk neben den spätromanischen Blattkapitellen, die am Eingang der Sakristei nach dem letzten Umbau der Kirche wiederverwendet wurden, ist der romanische Taufstein. Er wurde vermutlich im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts angefertigt. Die Datierung ist eng mit der Geschichte der Handorfer Pfarrei verbunden. Zur Erhebung einer selbständigen Pfarrei gehörten die Verleihung des Tauf- und Beerdigungsrechts. Wenn die Pfarrgründung aus der Literatur spätestens 1282 angenommen wird, ist es auch gut möglich, dass das Taufrecht der Gemeinde bereits früher verliehen wurde.

Wie die meisten westfälischen Taufsteine des Mittelalters ist auch dieses Taufbecken aus Baumberger Sandstein gefertigt. Seine Form ist zylindrisch und ähnelt einem Fass oder Kessel. Auffallend ist das Fehlen des Sockels, der wohl in früherer Zeit vorhanden gewesen sein muss. Fast elegant wirkt die Form des Zylinders. Der obere Teil ist breiter ausgeformt, und er verjüngt sich zur Basis hin. Die Wandung des Beckens ist streng gegliedert. Acht hohe, rechteckige Felder, umgeben von stark ausgeprägten Profilen, sind bestimmend für die Wirkung. Die schmalen Felder mit den bandartigen Umrandungen lassen an Architektur denken, wie an Säulen oder Pfeiler.
Die Zahl 8 mag bedeutsam sein. Sie ist die Zahl des Neuen Testaments und bezeichnet den 8. Schöpfungstag, d.h. die mit der Auferstehung Christi beginnende neue Schöpfung, in die der Täufling durch die Taufe hineingenommen wird.

Den oberen Rand umschließt ein Blatt-Fries-Ornament. Die Blätter winden sich spiralförmig und sind kräftig herausgearbeitet. Es könnten Akanthusblätter sein, in der Antike als Dekorationselement sehr beliebt. In der christlichen Kunst ist diese Ausformung übernommen worden. Rankenmotive finden sich häufig an Taufsteinen. Sie dienen zwar hauptsächlich als Schmuckwerk, weisen aber auch auf neues Leben durch das Taufgeschehen hin.

In der näheren Umgebung finden sich ähnliche Taufbecken, in der Kirche zu Albachten etwa; obwohl dessen Ornament feiner gegliedert ist, wirkt der Stein auf den Betrachter plumper,weil sich der Zylinder kaum verjüngt. Im Landesmuseum steht der Taufstein aus Angelmodde. Auch er ähnelt im Stein dem in unserer Kirche.

Wenngleich der Handorfer Taufstein einen Vergleich mit dem hundert Jahre älteren Taufstein in der Stiftskirche zu Freckenhorst nicht standhalten kann – eine figürliche Darstellung fehlt in Handorf – so verdient er doch besondere Beachtung. Die Arbeit des Steinmetzkünstlers, dessen Name nicht bekannt ist, fasziniert durch ihre sorgfältige und schlichte Ausführung und Eleganz. 

DREI GESCHENKE DER TAUFE

Im Namen des Vaters,
der dir die Schuld erlässt
und des Sohnes,
der für dich zeugt
und des Heiligen Geistes,
der deine Zukunft garantiert
taufe ich dich auf den Namen ...