Die großen Kirchenfenster

„Bei der Gestaltung der Fenster... arbeite ich mit der Technik früherer Jahrhunderte, setze sie aber in die Sprache unserer Zeit um. Für mich ist innerhalb der Gotik besonders die Symbolkraft der Farbe mit ihrem theologischen Hintergrund, die ihre Gültigkeit behalten wird und sich aus diesem Grunde als Ausgangspunkt zu neuer Formulierung anbietet. Jedes der großen Fenster hat deshalb eine jeweils anders gestaltete Farbmitte, die vom Zusammenspiel der Farben lebt.“ - So beschreibt 1976 der Künstler Michael Klos aus Nettetal die von ihm entworfenen und von der Glasmanufaktur Schneider ausgeführten Fenster und liefert damit für den Betrachter zugleich einen Schlüssel zum Verständnis.

Klos ging damals als Gewinner aus dem ausgeschriebenen Wettbewerb hervor; in seinen Entwürfen orientierte er seine Gestaltung an den Kreisformen der Rosetten an der Ostseite der Kirche. Deren Form inspirierte den Maler und Grafiker, die architektonische Vorgabe mit einem Formelement auszustatten, das den Verästelungen eines Spinnennetzes ähnelt. Damit war für Klos vorbestimmt, dass dieses Element in den Fenstern des Hauptschiffes wiederkommen musste. Und so wachsen neben linearen graphischen Elementen derartige Ausbrüche in den Fenstern hinauf. Damit übernahm der Künstler den Versuch, den füllenden gotischen Formenteppich durch seine graphische Lineatur zu ersetzen. Anstelle der in der Gotik in bestimmten Bereichen plazierten Figuren setzt Klos seine eigenen Schwerpunkte: Farbkomplexe in kräftigen, eindeutigen warmen Farbtönen, die man auch in der Natur findet.

Durch Farben und spielerische Elemente strahlen die Fenster Fröhlichkeit und Freude aus und sind damit auch letztlich Variationen des Lobes und Dankes an den Schöpfergott. Dabei versucht Klos, den Schwerpunkt der aus mundgeblasenem Antikglas gearbeiteten Fenster möglichst nah an den Betrachter zu bringen.

Der Künstler ist bemüht, die für gotische Fenster ungewöhnliche Platzierung der jeweils anders gestalteten Farbmitte im unteren Teil der Objekte durch die farbige Bekrönung der aufsteigenden Verästelungen aufzufangen. Außerdem erfolgte eine zusätzliche Verbindung der unteren und oberen Formenwelt durch meist farbig ausgeführte Wegführungen.

Eine Ausnahme bilden die Fenster in den Seitenschiffen: Bedingt durch den anderen Blickwinkel des Betrachters erfolgt eine abweichende Einbringung der Farbkomplexe und Linien, die hier diagonal verlaufen. Wer sich auf eine vergleichende Betrachtung der Werke von Joachim Klos einlassen möchte, hat dazu in Münster mehrfach Gelegenheit: St. Thomas Morus, Priesterseminar, St. Sebastian in Nienberge, St. Josef in Gelmer und auch in der Polizei-Führungsakademie in Münster-Hiltrup.

Jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Dienet dem Herrn mit Freuden,
kommt vor sein Angesicht
mit Frohlocken.
Erkennt, dass der Herr Gott ist.
Er hat uns gemacht
und nicht wir selbst zu seinem Volk
und zu Schafen auf seiner Weide.
Gehet zu seinen Toren ein mit Danken,
zu seinen Vorhöfen mit Loben;
danket ihm, lobt seinen Namen.
Denn der Herr ist freundlich
und seine Gnade wäret ewig
und seine Wahrheit für und für.

- Ps 100 -