Dominikus und der Rosenkranz

Es ist zu mindestens die wuchtigste Skulptur (136 x 147 cm) in St. Petronilla, die heute an der Wand des rechten Seitenschiffes gegenüber der Sakristei angebracht ist. Vor dem Um- und Ausbau der Kirche 1976 beherrschte sie den Seitenaltar im linken Seitenschiff. Sie wird von Fachleuten als Arbeit aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eingestuft (um 1920) und erzählt die Legende, nach der die Gottesmutter mit dem Kind dem Dominikus erschienen sei, um ihm die Gesätze des Rosenkranzes zu erklären.

Dominikus (übersetzt: der dem Herrn gehörende) stammte aus Spanien (Kastilien), lebte von 1175 bis 1215, studierte Theologie und entwickelte früh einen feinen Sinn für Eingliederung, Armut, Gebet und Betrachtung. Reisen durch Europa weiteten seinen Horizont, vor allem lernte er die Gefahren kennen, die der Kirche durch Häretiker (Leugner von kirchlichen Dogmen) drohte. So predigte er auch mit seinem Freund Didacus den Albigensern (einer Sekte, die nach der südfranzösischen Stadt Albi benannt war und deren Mitglieder sich Katharer – die Reinen – nannten).

Nach dem Tode von Didacus übernahm Dominikus das von ihm gegründete Missionsinstitut und gründete 1215 einen Predigerorden nach der Regel des hl. Augustinus. Hauptaufgabe des Ordens war es, durch Wort und Beispiel Irrgläubige zu bekehren. Er setzte sich auch mit Nachdruck für eine bessere Bildung des allgemeinen Klerus ein. Dominikus wurde 1234 heilig gesprochen, Gedenktag ist der 8. August.

Auf unserer Plastik aus Lindenholz ist Dominikus mit Tonsur und asketischem Gesicht dargestellt: Versonnen blickt er auf das Kind, vor dessen Erscheinung er die Knie beugt. Sowohl seine Tunika als auch der darüber gehängte Mantel sind golddurchwirkt und entsprechen in ihrer Pracht so gar nicht dem Armutsideal des Heiligen. Der Künstler wollte mit der besonderen Kleidung wohl auf das Außergewöhnliche des Geschehens hinweisen. In den Händen hält Dominikus einen Stein, eines der Attribute, mit denen die Nachwelt den Heiligen ausgestattet hat. Das Jesuskind gegenüber blickt auf den Rosenkranz herab, der aus seiner rechten Hand auch durch die Hand der Maria gleitet (der Rosenkranz ist im übrigen kein Original, sondern ein später hinzugefügtes Stück). Maria schaut von oben auf das Geschehen herab. Sie ist ebenfalls besonders glanzvoll gekleidet, hervorstechend der ungewöhnlich faltenreiche, zweifarbige Mantel. An der Außenseite hält ein kleiner Engel den Mantel ein wenig zurück, ein Zeichen für
das Überirdische der Erscheinung.

Aus dem Tagesgebet des Gedenktages am 8. August

Herr, unser Gott,
stärke deine Kirche
durch das Vorbild
und die Lehre des
heiligen Dominikus,
der mit Macht
deine Wahrheit
verkündet hat.
Höre auf seine Fürsprache
und erwecke auch in
unserer Zeit Prediger,
die dein Wort
glaubwürdig verkünden.