Maria Immaculata außen am Turm der Kirche

Die Marienfigur über dem hinteren Eingang am Turm wird oft übersehen, weil sie relativ hoch hängt. Wahrscheinlich ist sie im Zusammenhang mit dem Neubau des Turmes 1864/65 an einen namentlich nicht bekannten Künstler beauftragt worden.

Den Abriss des Turmes bis auf die Höhe des Dachfirstes im Frühjahr 1942 – er lag in der Einflugschneise für die Militärmaschinen des Flugplatzes in Dorbaum – hatte sie relativ gut überstanden. Dennoch musste der weiche Baumberger Sandstein 1976 im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Turmes aufwendig restauriert werden.

Die Statue ist im neogotischen Stil gearbeitet, eine Stilepoche, die aus England kam und etwa von 1830 bis in das 20. Jahrhundert hinein reichte. Wie der Name sagt, orientierte sich die Formensprache der Neugotik an einem idealisierten Mittelalterbild. Die zarten Gestalten tragen sehr menschliche Züge.

So auch unsere Figur: Auffallend zunächst die große Fiale, das schlanke spitze Türmchen über der Marienfigur mit Kreuzblume und acht Krabben, die allein mehr als 40 % der Länge des gesamten Kunstwerkes ausmachen.

Maria ist als zarte, junge Frau modeliert, die mit ernstem Gesicht und geschlossenen Augen in sich gekehrt scheint. Auf dem Kopf trägt sie einen Blumenkranz, der den oberen Teil des Gewandes hält und ein wenig von dem lang wallenden Haar herausschauen lässt. Die Hände liegen übereinander auf der Brust gekreuzt unter einer doppelten Mantelschnalle. Sie steht auf der Weltkugel und als die neue Eva mit dem rechten Fuß auf der Schlange. Es handelt sich deshalb um eine Immaculata (lat. die Unbefleckte): Die Schlange, das biblische Symbol für die Sünde wird in der Darstellung sinnbildlich besiegt. Da die Schlange sich auf der Weltkugel windet, erscheint Maria als die Siegerin über die weltliche Sünde.

Ein kunstvoll mit Blumenmustern dekorierter Sockel schließt das Werk ab.

Eine anschauenswerte Arbeit, die besonders in der frühen Nachmittagssonne
ihre ganze Schönheit entfaltet.

Groß rühmt mein Leben den Herrn, und mein Geist jubelt ob Gott, meinem Retter, weil er die Niedrigkeit seiner Magd anblickt. Denn da! Von nun an preisen alle Geschlechter mich selig, weil er Großes mir getan der Kraftvolle.


Lk 1, 46b-49a
nach Fridolin Stier