Pietá

Spätestens seit den berühmten Darstellungen eines Michelangelo – allen voran sein bekanntes Bildwerk im Petersdom zu Rom – ist die Pietá ein beliebtes Andachtsbild in der katholischen Kirche. Derartige Darstellungen der schmerzhaften Mutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß gibt es schon seit dem 14. Jahrhundert, obwohl die Szene in den Passionsgeschichten der Evangelisten nicht belegt ist.

Die kleine Pietá (37 x 31 cm bei einer Tiefe von 15 cm) in St. Petronilla am linken Ende des Langhauses am Turm ist ganz sicher älter als das oben erwähnte Kunstwerk des Michelangelo; ihre Entstehung wird um die Mitte des 15. Jahrhunderts angenommen.

Zu einem späteren Zeitpunkt ist die Skulptur wohl überarbeitet worden; darauf deuten die verschieden geformten nachgotischen Säulen und das darüber wie ein Vorhang geflochtene Strebengeflecht im Vordergrund hin.

Auffallend an der Figurengruppe ist der im Verhältnis zur Marienfigur überlange Christuskorpus, der fast von der Mutter Schoß zu gleiten scheint. Der Kopf ist von schulterlangem Haar und einem kurzen Bart eingerahmt. Die rechte Hand wird behutsam von der Mutter gehalten, der linke Arm fällt schlaff herunter, dabei ist die Hand nach außen gedreht. Der Lendenschurz scheint mit dem faltenreichen Obergewand Mariens zu verschmelzen. Die Füße sind übereinander gestellt.

„Kein Kind so lieb, kein Schmerz so groß, wie Jesus auf der Mutter Schoß“, ist auf dem Sockel darunter eingeschlagen.

Die Skulptur ist heute über der Ehrentafel für die vielen, im ersten Weltkrieg gefallenen Handorfer aufgestellt. Dafür ist in der Spitze der Pietá – auf dem Foto auf der nächsten Seite nicht zu sehen – auch ein Ehrenkreuz eingeschlagen; das muss im Zusammenhang mit der jetzigen Verwendung geschehen sein, denn derartige Ehrenkreuze kennt man erst seit den Zeiten Bismarcks.

Wo die Skulptur vorher gestanden hat, ist nicht bekannt.

Pietá

Jetzt wird mein Elend voll,
und namenlos erfüllt es mich.
Ich starre wie des Steins
Inneres starrt.

Hart wie ich bin,
weiß ich nur Eins:
Du wurdest groß -
...und wurdest groß,
um als zu großer Schmerz
ganz über meines Herzens
Fassung hinauszustehn.

Jetzt liegst du
quer durch meinen Schoß,
jetzt kann ich dich
nicht mehr gebären.

- Rainer Maria Rilke -