5. Sonntag der Osterzeit

Lesung

Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

 

Predigt

 

Liebe Mitchristen und Freunde,

 

wie anfangs erwähnt, ist der Stein ein häufig benutztes Symbol in der Bibel und schließlich auch im Kirchenbau.

 

Wir haben den

-Taufstein

-den Altar, der eigentlich einem Opferstein nachempfunden ist

-den Grabstein auf dem Friedhof, weil Ostern der große Felsen vom Grab Jesu weg gewälzt war

-wir kennen Petrus den Felsen, auf den die Kirche ruht,
      petros = der Fels,

      petroleum = Steinöl

-wir kennen das Gleichnis, nicht auf Sand zu bauen

 

Und dann würden wir uns in diesen Zeiten ganz grundsätzlich fragen: wieso müssen wir hier über Steine reden?-die Zeit ist hart genug, wir haben gemerkt wie sehr uns die menschliche Begegnung und das Miteinander fehlt, ja die Zärtlichkeit und Umarmung. Eher das Weiche, die soft-skills sind wichtiger denn je! => und genau da hinein spricht auch ein Prophet, der uns in der vorletzten Woche begegnet ist: „Ich reiße Euch das Herz aus Stein aus, und gebe euch ein Herz aus Fleisch“, spricht der Prophet Ezechiel.

 

Liebe Gemeinde,

ist also dieser berühmte Petrusbrief nun unpassend? Vielleicht eher ein andermal? Jetzt nicht!? Ich glaube: DOCH! Er passt, denn es ist ja von einem „lebendigen Stein“ die Rede –ein Stein, an dem manche sich stoßen, der sogar von Menschen verworfen wird, von Gott aber erwählt wird ➔der Stein, der Jesus Christus ist.

Mit diesem Jesus sollen wir ein Haus bauen, mit diesem „lebendigen Stein“ Stabilität in unserem Leben schaffen!

 

Meistens gibt es Steine, die deshalb verworfen werden, weil sie nicht glatt, sondern krumm und schief sind, also nicht im Winkel oder im Maß sind, => die Bauleute missachten ihn genauso ein missratener Stein wird (nach der Auffassung der Lesung) wichtig, gibt Halt und Stütze im Mauerwerk

 

Und der Text überträgt es sofort, nennt einen bestimmten Menschen, der auch unscheinbar ist, missachtet und getötet wird, wie ein Verbrecher, => der missratene Sohn Gottes wird plötzlich wichtig, die Schande, die Torheit wendet sich.

 

Der verworfene Stein wird zum ECKSTEIN

 

Z.Zt. des Petrusbriefes existierte vermutlich der Vorwurf: warum verehrt ihr einen Gotteslästerer, einen Verbrecher, einen der sich mit Huren abgab?? Und der Verfasser nutzt dieses Bild: Ja, bei euch verworfen, nicht geeignet und DENNOCH hat.

 

Gott diesen Menschen herausgehoben aus der Menge der missratenen Steine, hat ihn zu einem Stütz-Stein gemacht!

 

Wenn wir in der Kirchenarchitektur nachschauen: der Eckstein, der letzte mittlere Stein gibt erst den Halt im Fensterbogen, sonst bricht alles zusammen

Leverkusener-Autobahnbrücke, falscher Stahl, keine Stabilität, hätte auf Dauer keine Tragkraft .... Verkehrschaos

 

So lese ich die Geschichte Gottes mit den Menschen: Unscheinbar, dienend, unerkannt -- aber wenn er fehlt, so entsteht die Unordnung. Oft sieht man Gott nicht, seine Tragfähigkeit und Stütz-kraft wird nicht gesehen, aber fehlt er im Bewusstsein der Menschen -verschwindet er aus dem All-tag,

 

► dann besteht Einsturzgefahr!

► dann hat man auf Sand gebaut!

 

Würde man heute einen neuen Petrusbrief schreiben, würde man vermutlich nicht mehr das Bild des Steines wählen, sondern vielleicht Stahl, oder Zement, oder Titan.....

Dies ist somit das erste Bild, das uns die Lesung für unser Leben anbietet, und das 2. Bild ist die Übertragung auf uns selbst: => auch wir können lebendige Steine sein, können für andere Menschen stabilisierend wirken und Lasten tragen, auch wir können wie Zement alles miteinander verbinden und verhärten, damit das Leben nicht im Bodenlosen verschlungen wird, auch wir können Halt geben, wenn Menschen mutlos und frustriert diese Corona-Krise durchleiden

„Zement unter die Leute bringen“, damit wir nicht ins Wanken geraten = lebendige Steine sein.

 

Darum ist es unsere Aufgabe, die Geschichte der ungeheuren Stützung Gottes unter den Menschen zu verbreiten, nämlich dass ihr Leben, dass die Welt auf den Eckpfeilern und Stützen dieses unsichtbaren Gottes ruht. Jeder Mensch wird von Gott gehalten und gestützt. Amen.